Kieferumstellungsoperationen

Bei einer Dysgnathie handelt es sich um eine erworbene oder angeborene (Familie) Fehlstellung der Kiefer (Fehlbiss), die in der Regel mit einer Zahnfehlstellung vergesellschaftet ist. 

Oberkiefer-, Unterkiefer- und Kinn können in verschiedenen Ebenen betroffen sein (Vertikale, Horizontale oder/und Sagittale), was zu den verschiedenen Ausprägungen wie offener Biss, zurückliegender Kiefer oder nicht übereinstimmender Mitte oder Symmetrie der vorderen Zähne führen kann.

Dies kann zu funktionellen Beeinträchtigungen wie Kaubeschwerden, Sprech- und Schluckstörungen, Einbiß der Zähne in die Schleimhaut, inkomplettem Lippenschluß mit Mundatmung und Kariesanfälligkeit, Atembeschwerden und Schlafstörungen führen. Fehlbelastungen der Zähne können einen vorzeitigen Verlust dieser zur Folge haben. Oft leiden die Patienten unter den ebenfalls möglichen ästhetischen Beeinträchtigungen wie Zahnfleischlächeln, fliehendem oder prominentem Kinn oder stark konvexem oder konkavem Gesicht mit eingesunkenen Nasolabialfalten. 

Wir entwickeln ein individuelles Gesamtkonzept, welches sich aus drei Bestandteilen zusammensetzt: 1. Ihre Bedürfnisse als Basis, welche in enger kollegialer Zusammenarbeit von mir (2.) mit den zuweisenden Kieferorthopäden (3.) zu einem Gesamtkonzept umgesetzt werden.

Mittels VSP (virtual surgical planning), also virtueller 3D-Planung, werden diese Elemente mittels Intraoralscan (‚abdruckloser’ Scan der Zähne mittels Kamera), 3D-Volumentomographie (DVT, 3D Röntgen) und entsprechender Software  (IPS® CaseDesigner) verarbeitet und Splinte, ähnlich zu Zahnschienen, mittels 3D Drucker gedruckt. Diese Schienen übersetzen die 3D-Information in den OP und helfen, die Kiefer in die geplante Lage zu versetzen.

Im Gegensatz zur konventionellen Planung mittels Gipsmodellen und deren Verlagerung im Labor können wir nicht nur die Position der Zähne zueinander simulieren, sondern zusätzlich die knöchernen Verlagerungen, damit die Knochen besser zueinanderpassen, was für deren Heilung wichtig ist. Dies kann zu besser vorhersagbaren und stabileren Ergebnissen führen. Zusätzlich kann das Weichgewebe simuliert werden, so dass das ästhetische Resultat annähernd vorhergesagt werden kann.

Alle Formen der Oberkiefer-, Unterkiefer- und Kinnverlagerungen können in 6 Freiheitsgraden durchgeführt werden. Hierbei gibt es 3 Verschiebungs- und 3 Rotationsbewegungen wie ‚Pitch’, ‚Roll’ und ‚Yaw’, welche aus der Luftfahrt bekannt sind.

Präoperative Kieferorthopädie

Im Vorfeld der Kieferumstellung findet etwa 6-12 Monate die kieferorthopädische Behandlung zur Auflösung der Zahnfehlstellung statt.

Entfernung von Weisheitszähnen

Oft ist es aus Platzgründen notwendig, Weisheitszähne präoperativ zu entfernen. Hierbei ist es sinnvoll, dies bereits durch den späteren Operateur durchführen zu lassen, damit ein besonders knochenschonendes Verfahren angewendet werden kann, um gute Voraussetzungen für die Kieferverlagerung zu schaffen.

Dies sollte etwa 4-6 Monate vor der Kieferumstellung erfolgen.

Kieferverlagerung

Die Operation erfolgt in Vollnarkose. Es entstehen keine von außen sichtbaren Narben (z.B. im Bereich der Wange, da die Schnitte versteckt in der Mundschleimhaut durchgeführt werden).

Nach Mobilisierung der Kiefer werden diese in der 3-dimensional berechneten, neuen Position mit Titanplatten bzw. Schrauben fixiert.

Nach der Operation wird für Tage beziehungsweise wenige Wochen der Splint getragen, der als Schiene die neue, noch ungewohnte Position der Kiefer beziehungsweise Zähne zueinander sichert. In diesem Zusammenhang helfen Gummibändchen zwischen Ober- und Unterkiefer, im Splint, und damit in der neuen Position, zu bleiben.

In den ersten sechs Wochen nach der Operation sollten Betroffene weiche Nahrungsmittel zu sich nehmen, um ihren Kiefer zu schonen. Dann ist die initiale Knochenheilung abgeschlossen. Auch intensiver Sport und körperlich anstrengende Tätigkeiten sollten in diesem Zeitraum vermieden werden.

Postoperative Kieferorthopädie

Im Vorfeld der Kieferumstellung findet etwa 6-12 Monate die kieferorthopädische Behandlung zur Auflösung der Zahnfehlstellung statt.

Osteosynthesematerialentfernung und ästhetische Korrekturen

Neun bis zwölf Monate nach der Operation haben die Kiefer ihre endgültige Stabilität erreicht. Die eingebrachten Miniplatten können bei Bedarf in einer kurzen Operation entfernt werden, wobei in diesem Rahmen auch profilverbessernde Maßnahmen wie z.B. eine Kinnkorrektur (Genioplastik) durchgeführt werden können.

Kaufunktionelle Rehabilitation

Bei Zahnverlust oder Nichtanlage von Zähnen kann nach Beendigung der Kieferorthopädie festsitzender Zahnersatz mittels Implantaten geplant werden.

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